Maximilian-von-Welsch-Schule
Staatliche Realschule Kronach I
 
       

 

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 „Vorurteile sind kleine Tierchen, die den geistigen Horizont enger nähen“

Was? „Italiener essen nur Nudeln und Deutsche immer Wurst mit Sauerkraut? Ach, und jeder, der hier eine Brille trägt, ist intelligent. Alle Blondinen sind natürlich dumm und alle Flüchtlinge sind Terroristen.“ Solche und ähnliche Vorurteile sind uns wohl allen bekannt und da stellt sich doch die Frage, was Vorurteile eigentlich sind. Die Aussage „Vorurteile sind kleine Tierchen, die den geistigen Horizont enger nähen“, sorgte zunächst für ein Lachen, aber irgendwie stimmt es ja.

Genau betrachtet hat jeder von uns Vorurteile und das ist normal, sie entstehen aufgrund der Erfahrungen, die wir in unserem sozialen Umfeld machen und nicht hinterfragen.

Während eines dreistündiges Workshops der Projektstelle „Gegen Rechtsextremismus“ durchgeführt von Frau Windisch erfahren und erleben alle 8.Klässler, wie wir mit Vorurteilen umgehen und welche Gefahr von ihnen ausgeht.

Nach einer Gruppenarbeitsphase stehen erschreckend viele Personengruppen fest, gegen die Schüler und Schülerinnen aktuell Vorurteile haben, dazu gehören: Flüchtlinge, Obdachlose, Harz IV-ler, Nazis, Lehrer, Arme, Politiker, Invalide, Dünne und Dicke, Streber, Verbrecher, Blondinen, Depressive, Dunkelhäutige, Tätowierte, Muslime, Teeniemütter, Menschen mit „anderer“ Sexualität, Drogensüchtige, heutige Generation, Youtuber, Tourette-, ADHS-, Aids- Erkrankte, Wohlhabende, geistig Behinderte, LKW Mitarbeiter, Putzfrauen, Polizisten und viele mehr. In einer anschließenden Diskussionsrunde werden diverse Vorurteile angesprochen und dabei fällt auf, dass sich hier bereits unterschiedliche Meinungen bilden. Manche Schüler stimmen voll zu und andere beginnen bereits allgemeine Aussagen zu hinterfragen.

Um die Situation der Vorurteile in Deutschlandweit wissenschaftlich zu untersuchen, werden diverse Studien sowohl schriftlich als auch telefonisch durchgeführt. Von verschiedenen Universitäten gibt es Studien zur politischen Einstellung in Deutschland, welche im zweijährigen Erhebungsrhythmus mit 2420 Personen im Alter zwischen 14 und 93 Jahren durchgeführt werden.

Die Ergebnisse des Fragebogens „Die enthemmte Mitte“ sind in den letzten 16 Jahren gleichgeblieben, trotz steigender Flüchtlingszahlen.

 „Wie definiert man eine Gruppe eigentlich?“ ist die zentrale Frage, bei der die Schüler feststellen, dass für jeden unterschiedliche Merkmale zählen und man somit nicht pauschal über „DIE Deutschen, DIE Asylanten, DIE Behinderten, DIE Türken“ sprechen kann.

Während einer impulsiven Diskussion „Unser Land gehört uns und niemand anderen“ stellt sich heraus, dass es unklar ist, wer „uns“ eigentlich ist. Klar hingegen ist, dass wir in einem Land leben, in dem es ein Grundgesetz gibt. Hier sagt der erste Paragraph „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.  Somit ist jeder Mensch  gleich und jeder kann seinen eigenen Platz finden unabhängig von seiner Religion, Sexualität und so weiter, ohne dass man Angst haben muss.

„Es sind doch eh alle Moslems Terroristen“ ist eine rechtspopulistische Stammtischparole, die leider jeder von uns schon mal gehört hat. Nun stellt sich die Frage, wie man mit solchen und ähnlichen Parolen, die verallgemeinern, umgeht. Gemeinsam wird erarbeitet, dass jeder von uns gezielt nachfragen sollte, eventuell widersprechen kann und eigene Erfahrungen sachlich und höflich geschildert werden können, um gegen Verallgemeinerungen vorzugehen.  Es wäre wünschenswert, dass sich jeder mit Thematiken, die ihm bisher nicht so vertraut sind, von verschiedenen Sichtweisen nähert. Es lernt zu differenzieren, um sich anschließend wirklich eine eigene Meinung bilden zu können.

Nach einem dreistündigen Workshop mit vielen impulsiven Diskussionen, kleinen Gruppenarbeitsphasen, verschiedenen Spielen und Partnerargumentationsphasen kamen alle Teilnehmer zu dem Entschluss, dass jeder Mensch die Chance verdient hat, einen Platz in unserer Gesellschaft zu finden und auszufüllen, solange er sich innerhalb unseres Grundgesetzes bewegt.

Also, abschließend können wir sagen: „Wir sind ein bunter Haufen – und das ist gut so!“ Schließlich mögen wir alle Pizza und unser Freundeskreis ist groß – und soll es auch bleiben.

(D. Hecker-Kirchbach)